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Wohngemeinschaft für Senioren gründen: Welches Recht gilt, wann die WG gefördert wird

Zuletzt aktualisiert: 2. Februar 2017

Die Wohngemeinschaft für Senioren wird immer öfter gesucht, denn man hat dort Unterstützung und Pflege im Alter, ohne auf ein eigenständiges Leben und Privatsphäre verzichten zu müssen. Die Senioren-WG als Alternative zum Pflegeheim, Altenheim oder einer Pflege-WG erfordert jedoch einiges an Planung und Organisation – und bietet dann viele Vorteile.

Senioren-WG, Pflege-WG: Wann das Heimgesetz zu beachten ist

Was ist eine Senioren-WG, was eine Pflege-WG? Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Wohngemeinschaften besteht darin, dass eine Pflege-WG („ambulant betreute Wohngemeinschaft“) zahlreichen gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen unterliegt. Der Grund: Die Bewohner benötigen meist eine intensive Pflegebetreuung benötigen und sollen geschützt werden. Das Heimgesetzes regelt u.a die Pflegeleistungen sowie Art und Ausstattung der Räumlichkeiten.

Bei der Senioren-WG greift das Gesetz dagegen nur unter bestimmten Umständen: „Entscheidend ist hier, wie stark die Bewohner auf Betreuung angewiesen sind bzw. ihr Zusammenleben eigenständig organisieren“, sagt Juristin Anne Kronzucker von der D.A.S. „Eine durchgehende 24-Stunden-Betreuung entspricht den Leistungen eines Pflegeheims. Dann gelten die Anforderungen des Heimgesetzes – und damit dessen Vorschriften über die Räumlichkeiten, Dienstleistungen, aber auch über die Beschäftigten und die Heimleitung.“

Ob eine Wohngemeinschaft für Senioren dem Heimgesetz zugeordnet wird oder nicht, ist nicht eindeutig festgelegt und kann sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden bzw. noch verändern. Denn: Das Heimgesetz gilt nach Übertragung der Zuständigkeit für Heime auf die Bundesländer nur noch solange, bis die Bundesländer eigene Regelungen treffen – und dies ist in den meisten Ländern bereits geschehen. Aktuell plant beispielsweise die Landesregierung von Baden-Württemberg eine Anpassung ihres Heimgesetzes an die neuen Wohnformen für ältere Menschen.

Mein Finanztip: Viele Infos bieten dabei die Webseiten des Bundesministeriums für Senioren, Familie, Frauen und Jugend () und des Forums für Gemeinschaftliches Wohnen unter . Außerdem helfen die zahlreichen Beratungs- und Koordinationsstellen der einzelnen Bundesländer weiter. 

Bundeseinheitlich bleiben die Regelungen über die Vertragsgestaltung, den sogenannten Heimvertrag: Sie sind seit 2009 im Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz zu finden. Dieses Gesetz ist anwendbar, sobald Wohn- und Betreuungsleistungen nur zusammen in Anspruch genommen werden können. Unterliegt eine Wohngemeinschaft keiner staatlichen Kontrolle, müssen sich die WG-Bewohner oder ihre Angehörigen um einiges selbst kümmern, insbesondere um die Überprüfung der Dienstleister. Das kann je nach Bedarf die Kontrolle eines Putz- und Wäscheservices, der Unterstützung beim Einkauf, aber auch der ambulanten Pflegedienstleistungen bedeuten.

Welchen Mietvertrag braucht Wohngemeinschaft für Senioren?

Ein weiterer wichtiger Punkt, den die zukünftigen Mitglieder der Wohngemeinschaft für Senioren
besprechen müssen, ist das gemeinsame Zuhause: Entscheiden sie sich für ein Mietshaus oder eine Mietwohnung, sollten sie zuvor den Mietvertrag klären. Wichtig bei Senioren-WGs: Eine klare Regelung über das Ausscheiden von einem Bewohner aus dem Mietvertrag. Daher empfiehlt die Juristin bei dieser Wohnform für ältere Menschen einen Mietvertrag pro Mieter: Jeder Mieter unterzeichnet mit dem Vermieter einen eigenen Vertrag für sein Zimmer sowie über die Mitbenutzung der gemeinschaftlich genutzten Räume wie Küche und Bad. Der einzelne Mieter haftet dann nur für die eigene Miete und von ihm verursachte Schäden.

Zieht ein Bewohner aus, bedeutet das für die verbleibenden WG-Mitglieder den geringsten Aufwand. Zusätzlich kann auch mit dem Vermieter vereinbart werden, dass die Mieter ein Mitspracherecht bei der Auswahl eines neuen Mitbewohners haben. Wie bei allen Seniorenwohnungen kann darüber hinaus ein vertraglicher Ausschluss der Eigenbedarfskündigung sinnvoll sein.

Welche Förderungen gibt es für Senioren-WG?

Ziehen mehrere ältere Menschen zusammen, bringt dies auch finanzielle Vorteile: Zum einen werden Miete und Nebenkosten geteilt. Zum anderen gibt es für diese betreuten Wohnformen einige Fördermöglichkeiten:

  • Bevor der gemeinsame Einzug in eine Wohnung oder ein Haus klappt, stehen oft zahlreiche Umbauten an, damit die neue Bleibe auch altersgerecht genutzt werden kann. Mit dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) erhalten Bewohner von ambulanten Wohngruppen für den barrierefreien Umbau 2.500 Euro pro pflegebedürftiger Person, maximal aber 10.000 Euro pro Wohngemeinschaft.
  • Das sogenannte „Poolen“ von Leistungen ist eine weitere Förderungsoption: Seit 2008 können Wohngruppen-Mitglieder ambulante Pflegedienste oder -kräfte gemeinsam in Anspruch nehmen, also in einen „Pool“ zusammenfassen. „Dann steht beispielsweise ein Pfleger während seiner vereinbarten Arbeitszeit in einer Senioren-WG allen Mitbewohnern zur Verfügung“, so die  D.A.S. Alternativ müsste jeder Bewohner seinen eigenen Pfleger beauftragen und bezahlen.
  • Eine dritte Fördermöglichkeit gibt es seit Oktober 2012: Beziehen mehrere WG-Bewohner Pflegegeld oder -sachleistungen, zahlt ihnen unter Umständen die Pflegeversicherung pro Person eine zusätzliche Pauschale von 200 Euro. Sowohl für diese Zusatzpauschale als auch für die Unterstützung durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz ist die Pflegeversicherung der richtige Ansprechpartner.


Kommentare

Rolf Quednau 15. März 2018 um 12:31

Hallo und einen schönen guten Tag.
Anscheinend ist das Interesse an das gemeinsame wohnen und selbstbestimmt die Jahre im Alter so schön wie möglich zu gestalten, sehr groß. Mein Freund und ich, wir beschäftigen uns schon seit mehr als 10 Jahren mit dieser Thematik. Wir sind Anfang 50 und Anfang 60. Stehen noch voll im Arbeitsleben und auch noch voll im Saft. Auch wir möchten im Speckgürtel Berlin oder Hamburg eine WG aufzubauen. Vielleicht ist der Eine oder der Andere mit der Planung schon wesentlich weiter und ist bereit die Erfahrung in der Vorbereitung mit uns auszutauschen und bei Schnittstellen das Projekt gemeinsam umzusetzen.
Alles Weitere sollte in einem persönlichen Gespräch erörtert werden.

Mit freundlichen Grüßen
Rolf Quednau und Heiko Fischer

Antworten

Ela 7. Februar 2018 um 10:04

Hallo, ich interessiere mich auch sehr für eine Senioren Wg 50+. Wie sieht es aus wen man ein Großes Objekt kauft senioren gerecht umbaut für ca 15 bis 20 Personen, die höchstens bis pflegestufe 2 gehen und einen Betreuer bzw. Alltagshelfer mit im Haus wohnt. Ist sowas umsetzbar?

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Ela 9. Februar 2018 um 21:34

Hallo! Ich habe gelesen, wenn du mehr wie 12 Bewohner hast, greift das Heimgesetz ein! Dann reicht ein Betreuer oder Helfer nicht aus! Du benötigst dann sogar eine Nachtwache! Lg


Günter 30. August 2017 um 21:06

Hallo,
ich bin sehr daran interessiert, so etwas wie eine Alten-WG – im eher ländlichen Raum um Berlin herum (vielleicht McPomm oder Brandenburg) ins Leben zu rufen, wobei mich Fördergelder nur am Rande interessieren. Ich bin Architekt und würde gerne mit einer noch halbwegs agilen Truppe von max. 20 Leuten sehr gerne einen alten Resthof mit viel Eigenleistung und kleinem Budget umnutzen. Mich treibt allerdings die Frage um, wo ich die passenden Leute finde. Kennt hier jemand entsprechende Foren oder andere Kontaktebenen?
Ich bedanke mich im Voraus für hilfreiche Antworten.

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Anonymous 30. April 2017 um 11:14

Servus, ich bin auch neugierig! da ich einen kleinen Bauernhof besitze und ich schon länger mich mit den Gedanke einer Alters-WG zu gründen beschäftige, wie und auf was ich bei der planung beachten muss.

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Momo 11. Juli 2017 um 14:53

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind zwei Jungunternehmerinnen und planen eine Senioren WG zu gruenden, vielmehr die Immobilie zu stellen und uns um das Organisatorische zu kuemmern.

Hat einer Erfahrungsberichte, bezueglich der ersten Schritte einer WG Gruendung oder eventuell einen Kontakt, eines Fachmann zur Finanziellenberatung.

Lieben Dank im Voraus!

Mit freundlichen Gruessen


Schulte 27. Mai 2016 um 12:34

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich beschäftige mich mit dem Thema Senioren-WG seit einigen Wochen und bin auf der Suche nach Fördermöglichkeiten für Menschen, die schon vorab Ihren Ruhestand planen möchten. Wir sind eine Gruppe von 10 Personen, alle so um die 45 Jahre alt, die gerne schon jetzt etwas dafür tun möchten dass es ihnen im Alter gut geht. Wir möchten gemeinsam wohnen und so lange wir möglich unseren Alltag selbständig gestalten. Wir dachten daran schon jetzt ein Gebäude oder Grundstück zu erwerben und es nach und nach seniorengerecht umzubauen um dann später darin alt werden zu können. Wir erhoffen uns davon unseren Lebensabend weder einsam, noch in Armut verbringen zu müssen. Gibt es da schon Fördermöglichkeiten von denen Sie wissen? Wir suchen auch noch nach einer kompetenten Beratung bez. der Rechtsform und die Finanzierung betreffen. Vielleicht könnten Sie uns hieru einen Tip geben?
Mit freundlichem Gruß.

Antworten

Lucia Huhn 2. Juni 2017 um 15:44

Hallo sehr geehrtr Herr Schulte, wir sind eine Gruppe berenteter und noch nicht ganz berenteter Menschen. Wir haben das selbe Problem. Wir würden sehr gern eine Senioren WG grünnden. Hierfür benötigen wir ebenfalls Fördermittel und wir sind auf der Suche. Mit noch keinem weiteren Erfolg. Für die Form des Zusammenlebens wählten andere Senioren Gruppen die Form der Genossenschaft, andere, aber seltener, die des Vereins. Soweit bin ich gekommen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich darüber informieren würden, wenn Sie über entsprechendes fündig werden.


Jasna Daniel 3. September 2014 um 10:19

Sehr geehrte Damen und Herren ,

ich als Pflegedienstleitung habe vor eine Seniorenwohngemeinschaft zu eröffnen.
Wobei es es so sein wird das ich auch in diesem Haus leben werde und somit die Betreuung wenn nötig übernehmen würde.

Es ist schwer in Erfahrung zu bringen ob ich selbst dieses Haus eröffnen darf oder ob es dazu noch jemanden geben muss der dieses beaufsichtigt.

Wäre schön wenn Sie mir dazu eine Antwort geben könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Jasna Daniel

Antworten

1. März 2017 um 11:34

Hallo und einen guten Tag,
ich habe gesehen, dass Sie sich mit dem Gedanken einer WG getragen haben. Das ist nun eine Weile her.
Wie ist es ausgegangen. Wenn Sie eine gegründet haben, würde ich gern mit Ihnen ins Gespräch kommen wollen um von Ihren Erfahrungen zu hören. Ich bin Unternehmensberater und Fachbuchautor („Wohngemeinschaften für Senioren und Menschen mit Behinderungen“).

Bei Xing können Sie mein Profil einsehen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mich kontaktieren würden.

VG DT


senioren fachhandel 13. Mai 2013 um 08:50

Ein sehr hilfreicher Artikel, ich denke eine Senioren WG ist eine sehr gute sache.

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