Skip to main content

Der Bundespräsident und sein Kredit: Wie groß war der Vorteil bei der Baufinanzierung

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018

Der Bundespräsident und sein privater Kredit von der BW-Bank für den Hauskauf: Gestern bat mich RTL zu diesem Thema um eine Einschätzung, wie groß der finanzielle Vorteil war, den Christian Wulff dadurch hatte oder hätte haben können. Folgende Daten sind zum Privatkredit bislang veröffentlicht worden, ohne dass der Bundespräsident diese bestätigt oder dementiert hat:

Darlehenssumme: 500.000 Euro
Kaufpreis des Hauses: 415.000 Euro
Darlehenslaufzeit: fünf Jahre
Darlehenszins: 4 Prozent
Endfälligkeit (keine Tilgung, nur Zinszahlung)
Vereinbarung und Auszahlung: Herbst 2008
Jederzeitiges Rückzahlungsrecht, Rückzahlung im März 2010

Der Bundespräsident (genauer: der spätere Bundespräsident, zur Vereinfachung nur noch Bundespräsident) bekam mit vier Prozent Effektivzins einen Kredit, der bereits deutlich unter Marktniveau lag. Im Herbst 2008 war eine Baufinanzierung mit fünfjähriger Zinsfestschreibung nicht unter fünf Prozent zu bekommen. Dies hätte eine Beleihungsgrenze von 60 Prozent vorausgesetzt (60 Prozent des Kaufpreises).

Der Bundespräsident bekam aber eine 120-Prozent-Finanzierung, weit aus mehr Geld also, als er für den Kauf des Hauses benötigte. Solche Überfinanzierungen hatten in den USA zum Kollaps des Immobilienmarktes beigetragen. Ein normaler Baufinanzierer hätte dafür mindestens einen Zinsaufschlag von einem Prozentpunkt zahlen müssen.

Das Recht zu Sondertilgungen kostet ebenfalls einen Zinsaufschlag. Der Bundespräsident hatte offenbar die Vereinbarung, den Privatkredit jederzeit zurückzahlen zu können. Der normale Baufinanzierer muss dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung leisten oder aber einen erheblichen Zinszuschlag hinnehmen, der das Recht zur vollständigen Sondertilgung vergütet.

Nach meiner Einschätzung wäre für ein Baufinanzierung mit diesen Konditionen ein Zins von mindestens sechs bis sieben Prozent marktüblich gewesen. Der Zinsvorteil wäre somit bei mindestens zwei Prozentpunkten anzusiedeln. Bezogen auf 500.000 Euro Darlehenssumme und fünf Jahre Laufzeit würde sich ein finanzieller Vorteil von mindestens 50.000 Euro ergeben (2 % von 500.000 x 5). Da der (spätere) Bundespräsident den Kredit nach eineinhalb Jahren zurückgezahlt hat, ist der tatsächlich Vorteil mit mindestens 15.000 Euro anzusetzen.

Bei RTL hatte ich für dieses Thema übrigens genau 3 Sätze!

 



Kommentare

luke 22. Dezember 2011 um 13:42

@Harry

Bei der Frage ob Herr Wulff sich einen Vorteil verschafft hat, geht es nicht um die Frage wie das Geschäft aus Sicht des Darlehensgebers aussieht, sondern einzig und allein, ob Herr Wulff sich besser gestellt hat, als auf normalen Wege möglich gewesen wäre, bei der die Gefahr besteht, das er sich für diesen Mehrwert u.U. auf anderem Wege erkenntlich zeigt.

Meiner Ansicht nach problematisch ist nicht der Fall als solcher, sofern es ein Einzelfall (Darlehen von einem Bekannten zu einem Vorzugszins) bleibt. Bedenklich ist es jedoch, wenn es mehrere Fälle gibt, die letztendlich den Schluß einer parteilichkeit zulassen.

Antworten

Harry 21. Dezember 2011 um 12:54

Sie vergessen dabei, dass der Darlehensgeber kein Baufinanzierer ist. Wer bekommt als Anleger 4% Guthabenzinsen? Ist der Zinssatz angemessen, wenn der Bundespräsident Darlehensgeber wäre?

Es kommen halt mehr Umstände dazu, als ein Vergleich mit Baufinanzierern!

Nach wie vor hinterlässt die Verknüpfung von Wirtschaft und Politik einen unangenehmen Beigeschmack.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!



https://best-products.reviews

раскрутка в фейсбуке
Bewertungen & Erfahrungen: Finanzexperte Andreas Kunze » Finanzwissen » Der Bundespräsident und sein Kredit: Wie groß war der Vorteil bei der Baufinanzierung